Anwendungsbeispiel

Strukturelle Konfliktrisiken

Analysen zeigen, dass Staaten sehr ungleich von schwerwiegender politischer Gewalt betroffen sind. Ziel dieses Indikators ist es, Länder oder Landesteile mit geringer Konfliktlösungskompetenz und einem somit erhöhten politischen Risiko zu identifizieren. Der strukturelle Konfliktrisikowert setzt sich aus systematisch bewerteten, historischen Konfliktsequenzen aus der CONIAS-Datenbank zusammen, die von aussagekräftigen sozioökonomischen Daten ergänzt werden.

Zur Verdeutlichung soll folgendes Beispiel dienen: Die abgebildete Tabelle zeigt das strukturelle und aktuelle Konfliktrisiko, sowie den Konfliktrisikotrend für die einzelnen Regionen der Ukraine. Im Mai 2017 kam es nur in den Donbass-Regionen Donezk und Luhansk sowie in der Hauptstadt Kiev zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Die anderen Regionen weisen alle denselben, niedrigen Konfliktrisikowert für deren aktuelle Situation auf. Betrachtet man nur diesen Wert, spricht wenig gegen ein langfristiges geschäftliches Engagement in diesen Regionen. Allerdings stellt sich die Lage bei Betrachtung des strukturellen Konfliktrisikowertes anders dar: Hierbei werden wesentliche Unterschiede zwischen den Regionen, wie die erhöhte strukturelle Konfliktanfälligkeit der Regionen Kharkiv und Odessa im Vergleich zu den anderen Regionen, deutlich.

 

aktuelle Konfliktrisiken

Die Bewertung des monatlichen Konfliktrisikos in einer geographischen Einheit erfolgt durch die jeweiligen Intensitäten der in der Region ausgetragenen Konflikte, die fortlaufend mit der CONIAS-Methodik erfasst werden.

Die folgende Karte zeigt beispielhaft die drei Risikoindikatoren mit ihren Werten für die Regionen Südafrikas. Richtet man den Fokus nur auf den strukturellen Konfliktrisikowert, fällt es schwer, deutliche Unterschiede zwischen den Regionen zu erkennen; klare Kontraste in Bezug auf die langfristige Konfliktanfälligkeit zeichnen sich nicht ab. Die Werte für das aktuelle Konfliktrisiko des Monats Mai belegen jedoch gut, dass die zur Verdeutlichung herangezogenen Regionen Kwazulu-Natal und Western Cape viel stärker von den aktuellen politischen Konflikten, wie zum Beispiel Präsident Zumas Kampf um den Machterhalt oder die oft gewaltsamen Studentenproteste, betroffen sind. Diese Ereignisse heben exemplarisch die Relevanz und den Nutzen des aktuellen Konfliktrisikowertes hervor.

Konfliktrisikotrends

Der Konfliktrisikotrend skizziert das kurzfristige zukünftige Konfliktrisiko einer bestimmten Region. Dieser Indikator wird monatlich aktualisiert und deckt das kommende halbe Jahr ab. Mehrere Faktoren, wie zum Beispiel historische Fluktuationen bei den Konfliktintensitäten, die Konfliktgegenstände und ihr Eskalationspotential sowie signifikante, zukünftige politische Ereignisse wie Wahlen, fließen in die Berechnung mit ein. Das folgende Datenbeispiel illustriert die Nützlichkeit und die Genauigkeit des Konfliktrisikotrends. Die Tabelle beinhaltet die drei CONIAS-Indikatoren für alle Regionen Indiens, basierend auf den Daten für Mai 2017. Zusätzlich werden die Werte des tatsächlichen Konfliktrisikos für den Monat Juni dargestellt, um eine Evaluierung des Trendindikators zu ermöglichen. Besonders die Gliedstaaten Arunachal Pradesh, Haryana, Jharkand und Odisha sind eine genauere Betrachtung wert. Die aktuellen Konfliktrisikowerte (Mai 2017) dieser Regionen lassen auf keine oder nur leicht gewaltsame Konflikte in den Regionen schließen. Trotzdem warnt der Konfliktrisikotrend in diesen Regionen vor einer drastischen Eskalation in den kommenden Monaten. Bei Betrachtung der aktuellen Konfliktrisikowerte dieser Regionen für Juni 2017 zeigt sich die Wichtigkeit dieses Indikators als Ergänzung zum strukturellen und aktuellen Konfliktrisikoindikator: Im Juni ist das Gewaltlevel in jeder dieser vier Regionen signifikant gestiegen - genau wie durch den Trend prognostiziert.

weltweite Vergleichbarkeit und methodische Konsistenz

Eines der Leistungsmerkmale des CONIAS-Ansatzes ist seine streng konsequente Anwendung über Zeitspannen, subnationale Einheiten und Konflikte hinweg. Unsere Risikowerte basieren auf einer kohärenten, wissenschaftlich erprobten Methodik der Informationsgewinnung, Wertzuordnung und Skalierung. Ebendiese konsistente Methodik befähigt unsere Kunden, zu jeder Zeit aussagekräftige Vergleiche zwischen Produktionsstätten, Zuliefererstandorten oder Regionen und Ländern bezüglich ihrer Gefährdung durch politische Konflikte vorzunehmen. Die Kombination unserer drei Risikoindikatoren, denen allen der CONIAS-Ansatz zu Grunde liegt, ermöglicht somit eine zuverlässige und weltweit vergleichbare Bewertung von lang- und kurzfristigen politischen Entwicklungen sowie einen monatlichen Überblick über die Konfliktsituation in einer Region.

Die Graphik zeigt die drei Risikoindikatoren für eine ausgewählte Gruppe von 14 Regionen weltweit. Hierbei angegeben werden der aktuelle Konfliktrisikowert für Mai 2017 sowie der dazugehörige Trendwert für die kommenden sechs Monate. Für weitere Vergleiche wurde der tatsächliche Risikowert für den Monat Juni 2017 für jede Region hinzugefügt. Im Mai wurde durch den Risikotrend eine höchst kritische Sicherheitslage für Kairo (Ägypten), Michoacán (Mexiko) und insbesondere für Manila (Philippinen) vorhergesagt, was sich an den Risikotrendwerten klar erkennen lässt, und obwohl die aktuellen Risikowerte für den Mai keine gewaltsamen Konflikte in Addis Abeba (Äthiopien), London (Großbritannien) und Beirut (Libanon) erkennen lassen, warnt der Risikotrend auch hier vor einer gewaltsamen Eskalation. Vergleicht man diese Vorhersagen mit den tatsächlichen Konfliktrisikowerten der oben genannten Regionen für Juni, zeigen sich mehr als deutlich die Vorteile und die Zuverlässigkeit des Konfliktrisikotrends.