Einschätzung der aktuellen Situation in der Ukraine und potenzielle Auswirkungen auf Unternehmen

25.02.2022

Foto von Kiew als beispielhafte Darstellung für den Ukraine Konflikt

Unternehmen, die weltweit agieren, sollten auch weltweit ihre Risiken im Blick behalten. Vor allem politische Konflikte bergen jede Menge Zündstoff.

Der seit Jahren schwelende Konflikt um die Gebiete Donezk und Luhansk im Osten der Ukraine hat sich in den letzten Wochen rapide zugespitzt und mündete nun in Kriegshandlungen russischer Truppen in der Gesamt-Ukraine. In der Nacht vom 23.02. auf den 24.02.2022 kam es an unterschiedlichen Orten zu Luftangriffen gegen militärische Einrichtungen. Auch Bodentruppen Russlands befinden sich gemäß aktuellen Berichten bereits auf ukrainischem Hoheitsgebiet. Politik und Wirtschaft sind weltweit alarmiert. Die Folgen der Eskalation auf die internationalen Börsen und Rohstoffpreise sowie durch Wirtschaftssanktionen sind noch nicht abzuschätzen.

Ein Anhalten der Kampfhandlungen und eine Ausweitung auf weite Teile der Ukraine würde unweigerlich zu direkten Auswirkungen in Form von Betriebsschließungen und Blockaden der Lieferwege, wie den Seehäfen im Schwarzen Meer, führen. Neben landwirtschaftlichen Gütern wie Weizen und Mais, bei denen die Ukraine zu den Hauptlieferanten Europas gehört, wären auch Direktinvestitionen deutscher Unternehmen akut gefährdet. Vornehmlich deutsche Automobil- und Elektronik-Zulieferer haben Werke im Westen des Landes eröffnet. In der Konsequenz drohen neben dem Schaden vor Ort auch Wechselwirkungen auf die eigene Endfertigung und Abnehmer in Westeuropa.

Als Konsequenz zu der vorweg gegangenen Anerkennung der Separatistengebiete durch Russland hat die EU bereits am Dienstagabend Sanktionen beschlossen: Neben Einreise- und Kontosperrungen von russischen Personen sowie Einrichtungen und Einschränkungen des russischen Zugangs zu den Kapital- und Finanzmärkten der EU wurde ebenfalls ein Handelsstopp mit den sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk verhängt. Weitere Sanktionen der EU und USA werden aufgrund der kriegerischen Handlungen in Kürze erwartet.

Zum aktuellen Zeitpunkt sind wirtschaftliche Gegenmaßnahmen von Russland noch nicht vollumfänglich abzusehen. Als wahrscheinlich sind allerdings die Blockade der Ausfuhr diverser Rohstoffe, wie bspw. Düngemittel und Metalle anzusehen. Zusätzlich droht der Entzug wichtiger Überflugrechte des russischen Luftraums für europäische Airlines im Asien-Verkehr.

Wir empfehlen Unternehmen, sich umgehend mit den Folgen für Ihre Lieferketten auseinanderzusetzen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass kurzfristig keine Verbesserung der Lage zu erwarten ist, gilt es:

  • Die Lieferantenstruktur auf Unternehmens-/Werksbasis in Russland und der Ukraine zu überprüfen.
  • Die Kommunikation zu potenziell betroffenen Lieferanten in den Gebieten/Ländern zu intensivieren, um proaktiv Informationen über Lageveränderungen vor Ort zu erhalten.
  • Potenzielle Alternativlieferanten zu identifizieren, die von der Krise nicht betroffen sind. Zu diesen sollte im Idealfall bereits eine Geschäftsbeziehung aufgebaut werden.

Gastbeitrag von:
Fabian Konopka
Funk Risk Consulting
Funk Gruppe